
Die Divina besteht aus drei Teilen: Inferno — Purgatorio — Paradiso. Als der Italiener Dante Alighieri sie zu Beginn des 14. Jahrhunderts verfasste, verlegte er den Schauplatz seiner Handlungen hinter einen Schleier oder Vorhang. Dieser Schleier symbolisiert unser verdunkeltes, »normales« Bewußtsein, welches allein auf die materiellen Erscheinungen der Welt gerichtet ist. Dieses Bewußtsein besitzt keinen wirklich geistigen Aspekt in seiner ursprünglichen Bedeutung. Der Mensch im heutigen Bewußtseinszustand befindet sich — laut Dante — im Verhältnis zum wirklich Geistigen in einem Tiefschlafzustand, dessen er sich jedoch nicht bewußt ist.

Obwohl es bereits vor ca. 600 Jahren verfaßt worden ist, zielt das geistige Vermächtnis der Göttlichen Komödie immer auf die Gegenwart, also auf den Menschen, der im »Hier und Jetzt« lebt. Dante selbst sagte, dass der eigentliche Zweck seiner Dichtungen sei, dem Menschen den Weg zu einem ganz anderen Leben zu zeigen — und das mitten im gegenwärtigen Leben. Dies geschehe mittels einer Methode, die Menschen verschiedenster Bewußtseinszustände anspricht, um ihnen das mitzuteilen, was ihrer augenblicklichen Erkenntnisstufe entspricht.

Die Architektur der Göttlichen Komödie will niemanden zu einem bestimmten Glauben bekehren oder für eine Kirche gewinnen. Sie will auch nicht Andersgesinnte widerlegen, Zweifler überreden oder sich durch Glaubenskämpfe ad absurdum führen lassen. In ihrer Zielsetzung geht sie weit über die dogmatischen Philosophien hinaus und zielt auf Erkenntnisse, die hinter dem Schleier der dialektischen Welten liegen.

Nach einem kurzen Auftakt im Diesseits werden die Geschehnisse sofort in die jenseitigen Gebiete verlegt. Die dialektische Welt mit ihren beiden Ansichten wird vor das Bewußtsein des Betrachters gestellt. Ziel ist es, auf einen Akt des Willens hinzuweisen: das Loslösen von sich selbst und vom Staub der Erde, um über das eigene Wesen emporzusteigen und die beiden dialektischen Sphären hinter sich zu lassen. Die Trennung und Entzweiung von den ursprünglichen, göttlichen Lebenssphären soll wieder aufgehoben und dem ursprünglichen Menschen die Möglichkeit gegeben werden, in sein ursprüngliches Universum zurückzukehren. Dazu muss das Geistige entfesselt werden. Dante sucht hierzu nach einem Entwicklungsimpuls, der ihm Erkenntnisse vermittelt, die hinter den äußeren Erscheinungen der Dinge liegen.

Vergil, die erwachende Vernunft im Persönlichkeitsmenschen weist Dante den Rückweg durch die verschiedenen Höllenkreise. Diese Läuterungsspirale endet im Purgatorio, dem Übergangsgebiet zum Paradiso. Charon, der Fährmann der Hölle, spricht Dante und Vergil beim Überquren der Höllenflüsse Acheron und Styx Mut zu. Hier erfahren die beiden das Gesetz von Ursache und Wirkung, welches die Menschheit im sogenannten »Karma-Gesetz« erfährt: alle Schmerzen und Leiden, die ein Mensch im Inferno zu erleiden hat, sind von ihm selbst verursacht.

Je weiter Dante und Vergil die Höllenkreise hinabsteigen, desto stärker begegnen sie der Verwilderung und Vertierung der Menschheit. Die unteren Kreise werden von Betrügern, Tyrannen, Mördern, Räubern und Menschenschlächtern bevölkert. Dante prägt sich die grausamen Folgen ihrer Taten ein. Wenn die Ich-Sucht das Verständnis und die Liebe zum Mitmenschen aus der Seele verbannt, entsteht Zwietracht. Das Wesen wird gespalten, so dass die höhere Einheit von Leben und Bewußtsein verlorengeht — das Haupt wird seelisch vom Leib getrennt.

Dante erfährt, warum es Menschen gibt, die ganz in der Oberflächlichkeit des diesseitigen momentanen Lebens aufgehen, aber auch solche, die sich auf die Suche nach dem Sinn aller Dinge begeben — Menschen, die sich fremd fühlen auf der irdischen Lebensebene. Von jeden Punkt der Höllenspirale führt ein Weg zurück. Der Berg der Läuterung kann erklommen werden. In den Mysterien wird diese Seelenanstrengung die Arbeit des Herkules genannt.

Track Listing:
01. Before the closing of the day |
07. Vidi tre facce |
13. Where all light went silent |
02. The spirit of Virgil |
08. At the deepest point in space |
14. Charon, il barchere |
03. Minotaurae hunt at dawn |
09. L'omperador del doloroso regno |
15. La grey de los almas perdidas |
04. Those once broke the first word |
10. Voices in a starless night |
16. Justice of the karma law |
05. Dante in dispair |
11. Fear and longing |
17. As the sun moves towards heaven |
06. Io non mor |
12. Fallen for Death |
18. Beatrice, l'ame infinie |
